Erneuerbare Energien Entwicklungsländer

Erneuerbare Energien in Entwicklungsländern - Lessons Learnt & Projekte des DGS

Photovoltaik-Inselanlagen sind ein zentraler Baustein für eine nachhaltige Energieversorgung in vielen Regionen des globalen Südens. Sie ermöglichen Strom dort, wo kein stabiles Stromnetz existiert oder eine Netzanbindung wirtschaftlich oder technisch nicht realisierbar ist. Die folgenden Fragen und Antworten geben einen umfassenden Überblick über Einsatzbereiche, Technik, Wirtschaftlichkeit und Planung von netzunabhängigen Solarsystemen in Entwicklungsländern.

Was sind PV-Inselanlagen?

PV-Inselanlagen sind Photovoltaikanlagen, die unabhängig vom öffentlichen Stromnetz betrieben werden. Der erzeugte Solarstrom wird direkt vor Ort genutzt und in Batteriespeichern zwischengespeichert. Dadurch steht Strom auch nachts oder bei geringer Sonneneinstrahlung zur Verfügung. Inselanlagen werden häufig auch als Off-Grid-Systeme, netzunabhängige Solarsysteme oder autarke Photovoltaikanlagen bezeichnet.

Gerade bei komplexen Anwendungen ist fundiertes technisches Wissen entscheidend. Vertiefende Schulungen, etwa zu Systemarchitektur, Speichertechnik und Auslegung, unterstützen eine fachgerechte Planung und Umsetzung.

Wo werden PV-Inselanlagen in Entwicklungsländern eingesetzt?

PV-Inselanlagen kommen überall dort zum Einsatz, wo eine zuverlässige Stromversorgung fehlt. Typische Einsatzorte sind Krankenhäuser, Gesundheitszentren, Schulen, Ausbildungsstätten, Dorfgemeinschaften, Wasserpumpstationen, landwirtschaftliche Betriebe sowie kommunale Einrichtungen. In Krankenhäusern und Gesundheitsstationen sichern Solaranlagen den Betrieb von Kühlketten für Medikamente, medizinischen Geräten und Beleuchtung. In Schulen ermöglichen sie digitale Bildung, Beleuchtung und Internetzugang. In Dörfern und ländlichen Gemeinden schaffen sie die Grundlage für wirtschaftliche Aktivitäten, Kommunikation und Grundversorgung.

Konkrete Beispiele aus der Praxis verdeutlichen, wie solche Lösungen erfolgreich umgesetzt werden können. Die internationalen Projekte der DGS Thüringen bieten Einblicke in die Planung, Umsetzung und den Betrieb von PV-Inselanlagen in unterschiedlichen Anwendungskontexten.

Warum ist eine zuverlässige Energieversorgung so wichtig?

Eine zuverlässige Energieversorgung ist eine Grundvoraussetzung für soziale, wirtschaftliche und gesundheitliche Entwicklung. Ohne Strom können medizinische Leistungen nicht kontinuierlich erbracht werden, Schulen sind in ihrer Arbeit eingeschränkt und lokale Wertschöpfung bleibt begrenzt. In vielen Regionen fehlt jedoch ein stabiler Zugang zu Strom. PV-Inselanlagen schaffen hier eine stabile und langfristige Grundlage für gesellschaftliche Entwicklung.

Ist Solarenergie für Entwicklungsländer sinnvoll?

Ja – Solarenergie eignet sich besonders gut für Entwicklungsländer, da sie dezentral verfügbar, skalierbar und technisch ausgereift ist. Viele Regionen verfügen über hohe solare Einstrahlungswerte, was einen effizienten Betrieb von Photovoltaikanlagen ermöglicht. Zudem ist die Technologie weltweit etabliert und flexibel an unterschiedliche Bedarfe anpassbar.

Ein wichtiger Ansatz ist dabei der sogenannte Productive Use of Electricity. Er beschreibt die gezielte Nutzung von Strom für einkommensschaffende Aktivitäten. Typische Anwendungen sind beispielsweise landwirtschaftliche oder lebensmittelverarbeitende Geräte wie Wasserpumpen oder Ölpressen, Kühlhäuser für Lebensmittel, Handwerksbetriebe mit Nähmaschinen oder kleine Friseurshops mit Haarschneidemaschinen, Internetcafés und Druck- oder Kopierservices. PV-Inselanlagen können so nicht nur die Grundversorgung sichern, sondern die wirtschaftliche Entwicklung fördern und die langfristige Tragfähigkeit von Energieprojekten stärken.

Welche Herausforderungen bestehen bei PV-Inselanlagen?

Die Photovoltaiktechnologie ist ausgereift und weltweit etabliert. In der Praxis scheitern PV-Inselanlagen deshalb häufig nicht an der Technik, sondern an einer unzureichenden Planung und der fehlenden passgenauen Auslegung für den jeweiligen Anwendungsfall. Ohne eine fundierte Analyse des tatsächlichen Strombedarfs werden Anlagen schnell über- oder unterdimensioniert – mit direkten Auswirkungen auf Kosten, Versorgungssicherheit und die Lebensdauer der Komponenten.

Ein typisches Beispiel sind Gesundheitsstationen oder Schulen, bei denen zwar Module und Batterien installiert werden, Lastspitzen durch Kühlgeräte, Pumpen oder Computerarbeitsplätze jedoch nicht ausreichend berücksichtigt wurden. In der Folge kommt es zu häufigen Abschaltungen, vorzeitigem Batterieverschleiß oder dem Rückgriff auf Dieselgeneratoren.

Hinzu kommt, dass bei der Systemauswahl zahlreiche Unsicherheiten bestehen: Wie verändert sich der Strombedarf im Laufe der Zeit? Welche Wartungsarbeiten können vor Ort tatsächlich durchgeführt werden? Sind Ersatzteile verfügbar und verfügen die Nutzer:innen über das notwendige technische Verständnis? Gerade Betrieb und Wartung entscheiden über den langfristigen Erfolg einer PV-Inselanlage, werden in der Projektplanung jedoch häufig unterschätzt.

Ein nachhaltiger Betrieb ist nur möglich, wenn die Anwender:innen das System verstehen, akzeptieren und eigenständig bedienen können. Wer PV-Inselanlagen fachlich fundiert planen oder Projekte begleiten möchte, benötigt daher neben technischem Wissen auch ein Verständnis für wirtschaftliche, betriebliche und soziale Rahmenbedingungen. Genau hier setzt unsere 3-tägige Weiterbildung „PV Off-Grid Systeme in Entwicklungsländern“ an. Sie vermittelt die notwendigen Kompetenzen für eine realistische, praxisnahe Projektbewertung und -umsetzung.

Sind erneuerbare Energien günstiger als fossile Brennstoffe?

Langfristig sind PV-Inselanlagen häufig kostengünstiger als dieselbetriebene Generatoren oder der Einsatz von Wegwerfbatterien. Zwar sind die Anfangsinvestitionen höher, doch die laufenden Kosten sind deutlich geringer. Solarstrom verursacht keine Brennstoffkosten, reduziert Wartungsaufwand und vermeidet Abhängigkeiten von unsicheren Lieferketten.

Dieselgeneratoren durch Solaranlagen zu ersetzen, senkt nicht nur Kosten, sondern auch Lärm, Emissionen und Gesundheitsbelastungen. Besonders in abgelegenen Regionen, in denen Treibstoff teuer und schwer verfügbar ist, stellt Solarenergie eine wirtschaftlich überzeugende Alternative dar.

Was bedeutet „Grid“ auf Deutsch?

Der Begriff „Grid“ bedeutet auf Deutsch Stromnetz oder Elektrizitätsnetz.

Was ist der Unterschied zwischen On-Grid und Off-Grid?

On-Grid-Anlagen sind an ein öffentliches Stromnetz angeschlossen und speisen Strom ein oder beziehen ihn daraus. Off-Grid- oder Inselanlagen arbeiten vollständig netzunabhängig. Sie erzeugen, speichern und verteilen den Strom lokal. In Entwicklungsländern sind Off-Grid-Systeme besonders relevant, da vielerorts kein stabiles Stromnetz vorhanden ist.

Was ist ein hybrides Solarsystem?

Ein hybrides Solarsystem kombiniert eine Photovoltaikanlage mit weiteren Energiequellen, zum Beispiel einem bestehenden Stromnetz oder einem Generator als Back-up. Solche Systeme sind besonders sinnvoll in Regionen mit einem instabilen oder häufig ausfallenden Stromnetz.

Ist das öffentliche Netz verfügbar, funktioniert die Anlage wie ein netzgekoppeltes System. Fällt der Strom aus, schaltet das System automatisch in den Inselbetrieb und versorgt die angeschlossenen Verbraucher:innen weiterhin mit Solarstrom und Batteriespeicher. Auf diese Weise ersetzt oder ergänzt die Photovoltaik häufig kleine Dieselgeneratoren, die in vielen Regionen noch als Notlösung genutzt werden.

Wo kommen hybride Solarsysteme/ Backup-Systeme zum Einsatz?

Hybride Solarsysteme finden sich in verschiedenen Regionen weltweit: Beispielsweise wurden in Mali mehrere Mini-Hybrid-Solaranlagen realisiert, um die Stromversorgung in der ländlichen Stadt Didiéni zu verbessern und die Abhängigkeit von Diesel zu reduzieren. In Namibia versorgt eine Solar-Hybridanlage im Dorf Tsumkwe Haushalte und öffentliche Gebäude mit netzunabhängigem Strom. In El Sena, einer schwer zugänglichen Region im bolivianischen Amazonasdschungel, ergänzt eine PV-Anlage mit Speicher die bestehende Stromerzeugungsanlage auf Dieselbasis, damit Kosten und Emissionen eingespart werden können.

Bei unserem eigenen Projekt in Simbabwe hat die DGS Thüringen gemeinsam mit lokalen Partnern ein PV-Backup System für ein Krankenhaus errichtet, das für Licht im OP Saal sorgt, wenn das Stromnetz schwankt oder ganz ausfällt.

Asien, insbesondere China und Thailand, ist hingegen führend bei hybriden Solarsystemen, die Solarenergie mit Wasserkraft kombinieren, um die Stromerzeugung auch bei veränderter Wetterlage und Extremwetter zu stabilisieren. Bei langen Hitzeperioden können niedrige Wasserstände und damit geringere Erträge aus der Wasserkraft durch die verstärkte Sonnenenergie ausgeglichen werden.

Mit zunehmender Größe der Systeme steigt jedoch auch die technische Komplexität – insbesondere bei Planung, Steuerung, Betrieb und Wartung. Eine sorgfältige Auslegung ist daher entscheidend für einen langfristig stabilen Betrieb.

Was passiert bei einer Inselanlage, wenn der Akku voll ist?

Ist der Batteriespeicher vollständig geladen und wird kein Strom verbraucht, regelt das System die PV-Leistung automatisch herunter. Moderne Wechselrichter schützen Batterie und Anlage vor Überladung. Alternativ kann überschüssige Energie gezielt für zusätzliche Anwendungen genutzt werden, etwa zur Wasseraufbereitung oder Kühlung.

Kann eine Klimaanlage mit netzunabhängiger Solarenergie betrieben werden?

Ja, das ist möglich. Klimaanlagen haben jedoch einen hohen Energiebedarf, weshalb PV-Leistung, Speicher und Wechselrichter entsprechend dimensioniert sein müssen. In sonnenreichen Regionen kann Solarstrom tagsüber besonders effizient zur Kühlung genutzt werden, wenn Erzeugung und Verbrauch zeitlich zusammenfallen.

Können netzgekoppelte Solaranlagen zu Inselanlagen umgebaut werden?

Eine Umrüstung ist grundsätzlich möglich, erfordert jedoch zusätzliche Komponenten wie Batteriespeicher und geeignete Wechselrichter. Nicht jede bestehende On-Grid-Anlage ist für den Inselbetrieb ausgelegt. Eine technische Bewertung ist daher unerlässlich.

Wie plant man eine PV-Inselanlage im Globalen Süden?

Die Planung einer Inselanlage beginnt mit einer umfassenden Analyse des Energiebedarfs, Standorts und der lokalen Rahmenbedingungen. Anschließend werden geeignete technische Lösungen ausgewählt und gemeinsam mit erfahrenen Fachkräften und lokalen Partner:innen umgesetzt. Ein zentrales Element ist zudem die Sicherstellung von Betrieb, Wartung und Schulung vor Ort. Nur wenn langfristige Betreuung, Ersatzteile und Know-how gesichert sind, bleibt die Anlage dauerhaft funktionsfähig. Genau diese Komplexität zeigt, wie wichtig Fachwissen ist.

Für alle, die PV-Inselanlagen fachlich fundiert planen, bewerten oder in Projekten begleiten möchten, bietet unser Kurs „PV Off-Grid Systeme in Entwicklungsländern“ eine praxisnahe Vertiefung zu Technik, Systemauslegung und geeigneten Anlagenkonzepten. Die Weiterbildung befähigt die Teilnehmenden, Konzepte und Angebote für PV-Inselanlagen sowohl technisch als auch wirtschaftlich qualifiziert zu beurteilen, um finanzielle Mittel gezielt und verantwortungsvoll in eine langfristig tragfähige und nachhaltige Entwicklung vor Ort zu investieren.

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PV Inselanlagen in Entwicklungsländern

Die DGS Thüringen verfügt über langjährige Erfahrung in Planung, Aufbau und Betrieb von PV-Inselanlagen in Entwicklungsländern. Wir vermitteln praxisnahes Wissen zu robusten Systemlösungen, Nutzungskonzepten und nachhaltigem Betrieb unter anspruchsvollen Rahmenbedingungen.

Solaranlage wird in Äthiopien auf dem Dach angebracht

Über uns

DGS Thüringen – Das sind wir

Die DGS Thüringen engagiert sich seit 2008 für die Verbreitung und Nutzung der Erneuerbaren Energien und unterstützt eine rationelle Energieverwendung. Wir bieten Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche an und qualifizieren Erwachsene in Aus- und Weiterbildungen in unserer DGS SolarSchule Weimar.

Wir sind gut vernetzt, beraten in Fachfragen zum Thema Photovoltaik und erstellen Gutachten. Über Thüringen hinaus teilen wir unser Wissen und Erfahrungen mit Partner:innen weltweit, indem wir uns in der Entwicklungszusammenarbeit und internationalen Zusammenarbeit engagieren.

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